Unzufriedenheit als Triebfeder für entschlossene Veränderungsfreude
Erst vor kurzem in einem Training habe ich mich mal wieder mit meiner bunten Vita vorgestellt. Mein Wechsel von der Pädagogik in die Informatik als Quereinsteigerin und dann mein Umstieg in die Selbständigkeit erzeugt häufig eine ähnliche Frage bzw. Anmerkung, nämlich dass ich hier ja sehr viel Mut bewiesen hätte.
Hier war es nun anders, denn ich wurde angesprochen, dass sich meine Umbrüche so leicht angehört hätten und ob es denn so gewesen wäre. Als ich dann von meinen Anstrengungen und Sackgassen während der Umbruchsphase erzählt habe, konnte ich eine deutliche Erleichterung verspüren. Dies hat mich aber auch nochmal bestärkt das Thema „Unzufriedenheit und die Möglichkeit der Veränderung“ hier näher zu beleuchten.
Und dabei bedarf es nicht immer gleich Kündigungen oder große Sprünge. Dies möchte ich hier nun anhand von einem Beispiel aufzeigen.
Unzufriedenheit nicht wegdrängen, sondern zulassen
Der erste Tipp ist es die Unzufriedenheit / Demotivation oder wo auch immer sich die Veränderungsnotwendigkeit ihr Ventil sucht anzunehmen. Das heißt nun nicht gerade, dass ich mich im Unglück wälzen sollte, sondern erstmal wahrnehmen hier ist etwas anders wie vorher und ich kann vielleicht noch nicht so genau die Ursache benennen.
So kommen häufiger Kundinnen zu mir mit einem diffusen Wissen, dass etwas nicht stimmig ist. Deshalb beleuchte ich mit Ihnen welche Bedürfnisse nicht mehr oder nicht befriedigt werden und sich massiv melden.
In dem angekündigten Beispiel ging es in der Beratung um eine unklare Unzufriedenheit mit der derzeitigen beruflichen Situation. Durch Hinterfragen und Ergründen der Situation wurde deutlich, dass sich bei den Rahmenbedingungen in der Arbeit nichts groß verändert hatte, sondern die innere Bereitschaft das sehr hohe Leistungsniveau zu Lasten des Privatlebens nicht weiter mittragen zu wollen. Der Preis erschien Paula, 32 Jahre* (Name fiktiv) zu hoch, obwohl sie mit viel Herzblut den Aufgaben der Position, die sie innehatte, erledigen wollte. Dies führte innerlich zu einem dauernden Widerstreit mit den verschiedenen Polen für die innere Loyalität dem Arbeitgeber und sich selbst gegenüber.
Aktivierung der Selbstbeobachtung und Feedback von außen – unerfüllte Bedürfnisse erkennen
Wenn die Ambivalenz nun klar ist, kann der zweite Schritt gegangen werden. Dies stellt häufig eine Aktivierung der Selbstreflexion dar mit dem Hintergrund die unerfüllten Bedürfnisse genauer zu ergründen. Dies kann durch gezielte Selbstbeobachtung und auch durch ehrliches Feedback von Personen, die mir zugetan sind, passieren. Ich empfehle meist sogar beides, aber mit gezielten Fragestellungen, die da lauten können:
- Worüber rege ich mich gerade besonders auf?
- Welche Arbeiten lasse ich länger liegen, obwohl ich weiß das ich zeitlichen Stress bekomme?
- Wie werde ich von meiner Umwelt in Bezug auf Arbeit gerade wahrgenommen?
- Bin ich anders, als noch vor einem halben Jahr?
- Gibt es Themen, die ich immer wieder erzähle? Wenn ja – welche?
- Und natürlich Ihre individuellen Fragen…
Wenn dies glückt, dann wird meist deutlich was die Unzufriedenheit auslöst und was fehlt. Bei Paula wurde deutlich, dass die Balance zwischen Geben und Nehmen, sowie die Selbstbestimmtheit nicht mehr gut gelebt werden konnte. War es zu Beginn der Arbeit vielleicht kein Thema hatte Paula jedoch gemerkt, dass Sie so nicht lange weiterarbeiten möchte. Sie hatte angefangen Freundschaften und die eigene Selbstfürsorge zu vernachlässigen, was im massiven Gegensatz zu dem stand wie Sie ihr Leben gestalten mag.
Ableitung von konkreten Stellschrauben, um entschlossen das Steuer (wieder) zu übernehmen
Nun gilt es aus den erkannten, unerfüllten Bedürfnissen zu eruieren welche Stellschrauben ich selbst in der Hand habe, um meine Situation wieder zufriedenstellender zu gestalten. Dies ist der erstmal der schwierigste Schritt in der Veränderung und bedarf manchmal Impulse von außen. Hier ist es notwendig gezielt andere Perspektiven einzunehmen und sich von vermeintlichen Rückschlägen nicht aufhalten zu lassen. Es benötigt eine gewisse stoische Gelassenheit mit sich und der Veränderung. Das heißt aber auch Geduld mit sich zu haben und wie sage ich immer gerne „gnädig mit sich zu sein“. Es gibt einen guten Grund, selbst wenn wir erkannt haben, was uns stört dies nicht gleich verändern zu können.
Im Fall Paula waren es beispielsweise ein Gespräch mit der Chefin in dem es darum ging in welchen Bereichen „abgespeckt“ werden könnte und wo vielleicht enge Terminansprüche mit Teamarbeit abgedeckt werden könnten. Paula war sich inzwischen so sicher, dass sie Ihre Position als Teamlead gerne behalten möchte, dass sie auch ein Jobsharing mit einer anderen Kollegin in Betracht zog. Dies konnte sie mit Ihrer Chefin klären, was dann nach dem Einverständnis der Kollegin probeweise eingeführt wurde.
Prozesshafte Herangehensweise – Geduld mit sich und dem Vorankommen
Nun mögen Sie vielleicht denken, leichter gesagt als getan. Ja, da haben Sie Recht, denn es gibt immer gute Gründe warum wir etwas noch nicht angegangen haben. Meiner Erfahrung nach ist aber eine Entscheidung die Unzufriedenheit ernst zu nehmen und zu schauen was dahintersteckt, der Anfang einer inneren Reise. Und am Ende steht oft nicht der große Wurf, aber Erkenntnisse und mehr Zutrauen in die eigene Wirksamkeit.
Hierzu kann ich ein Buch von einer lieben Kollegin Kathrin Baumeister empfehlen, die sich genau diesem Thema annimmt. Wie könnte es anders heißen als „Progress“ – wie du mit Entwicklungsfreude Großes erreichst. Dies kann u.a. direkt hier https://shop.tredition.com/booktitle/PROGRESS/W-246-797-725 bestellt werden.
Wenn Sie partiell eine Sparringspartnerin benötigen oder sich einfach zu dem Thema austauschen mögen – bitte gerne einfach anrufen – 0175-416196 oder lassen sie uns auf einen virtuellen Kaffee treffen – Onlinetreffen.




